Philosophie des Digitalen – zur Einführung

Autor: Gabriele Gramelsberger
Titel: Philosophie des Digitalen – zur Einführung
Verlag: Junius, Hamburg 2024
Seiten: 272 Seiten
Preis: 16,90 €
ISBN: 978-3-96060-337-5
Rezensentin: Irina Spiegel

 

 

 

Impliziter Digitaler Humanismus – Verantwortung durch Verstehen

Mit „Philosophie des Digitalen. Zur Einführung“ hat Gabriele Gramelsberger, Professorin für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie an der RWTH Aachen sowie Direktorin des Käte Hamburger Kollegs „Kulturen des Forschens“, eine fundierte und zugleich anschauliche Einführung in die Denk- und Erkenntnisweisen der digitalen Lebenswelt vorgelegt. Historisch eingebettet und systematisch durchdacht, bewegt sich ihre beschreibende Analyse souverän zwischen Technikgeschichte, Technikphilosophie, Phänomenologie, Semiotik, Anthropologie, Erkenntnistheorie und Kulturkritik. Das Buch vermittelt technische und informatische Grundlagen (die für viele Geisteswissenschaftler:innen oft noch eine Hürde darstellen) sowie originelle philosophische Überlegungen zu den Bedingungen, Funktionsweisen und Auswirkungen digitaler Technologien auf unsere Kultur und unser Selbstverständnis. Es ist – wenn auch implizit – von einem kritischen, humanistischen Verantwortungsethos getragen.

Einleitung: Struktur und Signatur des Digitalen

Für die Grundlegung der Philosophie des Digitalen ist die Unterscheidung zwischen der strukturellen Logik digitaler Technologien – ihrer Struktur – und den kulturellen Spuren, die Gramelsberger als „Signatur des Digitalen“ bezeichnet, von entscheidender Bedeutung. Dementsprechend gliedert sich das Buch nach einer einführenden Übersicht in drei Hauptteile: Zunächst folgt eine detaillierte Analyse der Struktur des Digitalen (Kap. 1–5), daran anschließend ein theoretischer Übergangsteil (Kap. 6) und schließlich die Untersuchung der kulturellen Signaturen des Digitalen (Kap. 7–10).

Gramelsberger beschreibt zunächst die „Environmentalität“ des Digitalen. Dies ist ein „unsichtbares Netz an computerbasierten Technologien, das sich ganz unbemerkt in die Lebenswelt einwebt“ (13) und diese zunehmend strukturiert. Diese digitale Umwelt basiert auf der Maschinenlesbarkeit und -verstehbarkeit der Welt, ermöglicht durch immer präzisere Sensorik (14).

Den Ursprung des Digitalen sieht Gramelsberger im neuzeitlichen Projekt der „Operationalisierung des Geistes und dessen Externalisierung in Logik, Algorithmen und Kalküle“ (16). In diesem Projekt werden menschliche kognitive Fähigkeiten in formale Sprachen übersetzt sowie in technischen Systemen externalisiert und materialisiert. In der digitalen Gegenwart zeigt sich das Resultat dieses historischen Prozesses in der allgegenwärtigen Präsenz vernetzter digitaler Maschinen. Diese erfassen und interpretieren nicht nur ihre Umgebung, sondern treten durch algorithmische Autooperativität zunehmend als eigenmächtige Akteure in Erscheinung – sei es mit oder ohne „Maschinenkörper“. Gramelsberger bringt dies auf den Punkt: „Vernetzte Environmentalität der digitalen Maschinen und Geräte, Maschinenlesbarkeit und -verstehbarkeit der Welt sowie Akteurialität der Algorithmen und Maschinenkörper konstituieren die Signatur des Digitalen aktueller Ausprägung.“ (15)

Struktur des Digitalen: Maschinenlogik als kulturelle Bedingung

Im ersten Teil des Buches (Kap. 1–5) analysiert Gramelsberger die Struktur des Digitalen, die sich aus vier strukturellen Prozessen besteht: die Operationalisierung des Geistes, die Formalisierung der Sprache, die Elektrifizierung der Sprache und die Automatisierung des Geistes. In diesen Kapiteln zeichnet sie die Genealogie jener Rationalitätsfiguren nach, die das Digitale in der europäischen Kultur spätestens seit der Neuzeit ermöglicht haben und sie bis heute dominieren.

Den Beginn des Digitalen verortet die Autorin im neuzeitlichen Programm der Externalisierung geistiger Operationen – etwa in Descartes’ methodischer Analyse oder Leibniz’ binärem Kalkül. Die Idee, Denken als algorithmisch zerlegbare, formal operierbare Tätigkeit zu begreifen, wird hier als historische Grundlegung der digitalen Maschinenintelligenz rekonstruiert. Die daraus resultierende Reduktion des Geistes auf symbolverarbeitende Operationen ist laut Gramelsberger die Voraussetzung für die Delegation kognitiver Prozesse an technische Artefakte.

Besonders eindrucksvoll ist Gramelsbergers Analyse der „Vakanz der Zeichen“ (137). Durch die Abstraktion semantischer und kontextueller Bezüge – etwa durch Elektrifizierung und Maschinensprache – entsteht eine Struktur, in der Bedeutung nicht gegeben, sondern stets zugewiesen werden muss. Diese Formalisierungsleistung, wie sie in der maschinellen Verarbeitung von Sprache, Symbolen und Zahlen realisiert ist, führt zu einer spezifischen Ontologie des Digitalen: einer Ontologie, die sich nicht durch Bedeutungsgehalt, sondern durch Performanz und formale Korrektheit konstituiert.

Übergang zur Signatur: Prozessieren und die notationale Ontik

In einem methodisch klugen Zwischenschritt analysiert Gramelsberger im 6. Kapitel den Übergang von der strukturellen Seite des Digitalen zu seiner kulturellen Erscheinung, die sie als „Signatur“ bezeichnet. Grundlage dafür ist die Operation des Prozessierens als zentrale Kulturtechnik des Digitalen. Daten werden demnach nicht nur gespeichert und übertragen, sondern auch generiert, transformiert und verknüpft. Eine prozessuale Ontologie ersetzt statische Modelle von Wirklichkeit.

Gramelsberger leitet daraus die notationale Ontik des Digitalen ab – also die Konstitution digitaler Wirklichkeit durch formale Zeichensysteme, deren Sinnstiftung nicht in den Zeichen selbst liegt. Zeichen sind im Digitalen stets „unterbestimmt“ und müssen, so die These, durch zusätzliche Prozesse semantisch angereichert werden. In dieser Perspektive erscheint Digitalisierung nicht nur als technische Umformung, sondern auch als kulturell-semiotische Operation, die epistemologisch und anthropologisch reflektiert werden muss.

Die Signatur des Digitalen: Ontologie, Phänomenologie, Epistemologie, Philosophie

Im dritten Hauptteil des Buches analysiert Gramelsberger aus vier Perspektiven – Ontologie, Phänomenologie, Epistemologie und Philosophie – die Signatur des Digitalen (Kap. 7–10). Dabei wird besonders deutlich, dass die Philosophie des Digitalen nicht als bloße Metareflexion technischer Entwicklungen zu verstehen ist, sondern als Beitrag zu einer philosophischen Grundlegung des Digitalen in seiner Lebensweltlichkeit.

(1) Digitale Ontologie: Performanz statt Substanz

Die Philosophin bestimmt die digitale Ontologie funktional: Digitale Objekte existieren nicht durch materielle Präsenz, sondern durch algorithmische Performanz und kontinuierliche Prozessierung (147 ff.). Sie erscheinen real, obwohl sie raumzeitlich nicht verortet sind. Diese „instantanen Welten“ zeichnen sich durch Immersion, Dichte und Persistenz aus. Sie sind das Ergebnis der „totalen Maschinenlesbarkeit der Welt“ (153). Eine solche Ontologie basiert demnach nicht auf metaphysischer Substanz, sondern auf relationaler Operativität.

(2) Digitale Phänomenologie: Technophänomene und affektive Immersion

Im Kapitel „Phänomenologie des Digitalen“ analysiert Gramelsberger die affektiven Dimensionen digitaler Umwelten (168–192). Sie argumentiert, dass digitale Medien nicht einfach Objekte repräsentieren, sondern unsere Wahrnehmung aktiv strukturieren – und das deutlich unterhalb der Schwelle bewusster Erfahrung. Diese phänomenotechnische Environmentalität macht das Digitale zur bestimmenden Bedingung gegenwärtiger Subjektkonstituierung. Besonders relevant ist hier für Gramelsberger der Anschluss an Konzepte wie „affective computing“ und „networked imagination“, die neue affektlogische Interaktionsformen zwischen Mensch und Maschine umfassen.

Die Ausbalancierung von Subface und Surface wird in der digitalen Umwelt zunehmend schwieriger, da die „Hyperfluidität der Datenverarbeitung“ das Digitale phänomenologisch undurchsichtig macht (180). Es ist zwar permanent präsent, bleibt aber kognitiv unzugänglich. Laut Gramelsberger führt diese performative Präsenz des Digitalen zu einer starken Zentrierung des Subjekts im Hier und Jetzt. Dabei bezieht sie sich auf die philosophische Anthropologie Helmuth Plessners (179f.). Plessners „exzentrische Positionalität“ charakterisiert den Menschen als Wesen, das zwar zentrisch auf seine Präsenz fixiert ist, durch Selbstbewusstsein und symbolische Sprache jedoch auch zur Reflexion und Selbstdistanzierung fähig ist (daher ex-zentrisch). Erst dadurch ist – nach Plessner – Kultur (samt normativer Ordnungen) möglich.

Gramelsberger beschließt den phänomenologischen Teil mit der leider viel zu kurzen „Ethik digitaler Technophänomene” (185 ff.), die insbesondere die Auswirkungen auf Demokratie, Autonomie, algorithmische Selbststeuerung und Datenmanipulation beleuchtet. Dabei thematisiert sie die Notwendigkeit einer kritischen Reflexion über die impliziten normativen Strukturen digitaler Infrastrukturen und deren Auswirkungen auf menschliche Handlungsspielräume. Wer Zugang zu Daten hat, wer sie kontrolliert, wer ihre Verknüpfung steuert und wer algorithmische Entscheidungen trifft, ist laut Gramelsberger eine existenzielle Frage der digitalen Gesellschaft. Sie vertritt eine Ethik des Digitalen, die den Menschen als reflexives, leiblich-sinnliches Beziehungswesen begreift und nicht als bloßen, Daten verarbeitenden Knotenpunkt in einem technischen Netzwerk. Aus humanistischer Perspektive stellt sich somit die Frage: Wie können menschliche Selbstbestimmung und demokratische Ordnung unter den Bedingungen algorithmischer Vorausberechnung erhalten bleiben? Eine Ethik des Digitalen muss sich demnach nicht nur mit Fragen der Verantwortungszuschreibung und algorithmischer Diskriminierung, sondern auch mit Fragen der politisch-ökonomischen Macht im digitalen Raum beschäftigen. Gramelsberger geht nur kursorisch darauf ein.

(3) Digitale Epistemologie: Operative Erkenntnisformen

Im nächsten Schritt beschreibt die Autorin die Digitalisierung aus epistemologischer Perspektive als Verschiebung von Erkenntnis (191 ff.): weg von semantischer, hin zu operativer Erkenntnis. Digitale Systeme generieren kein „Verstehen” im klassischen Sinne, sondern approximieren Lösungen durch Simulations- und Vorhersagewissen. Diese Maschinenepistemologie basiert auf probabilistischer Approximation, maschinellem Lernen und Logik. Es handelt sich also um eine Epistemik, die zunehmend mit der menschlichen Erkenntnisleistung konkurriert.

(4) Philosophie des Digitalen: Kritik der Ersetzungsverhältnisse

Die Philosophie des Digitalen begreift die Philosophin sich als grundlegende Kritik der Ersetzungsverhältnisse, durch die qualitative Aspekte im Zuge der Digitalisierung formalisiert und quantifiziert werden. Im Zentrum steht die Analyse jener Verfahren, die zwar reduktive, aber auch erweiternde Effekte erzeugen und die spezifische Signatur des Digitalen prägen – also die charakteristische Form, in der digitale Wirklichkeit erscheint. Gramelsberger zufolge enthält eine solche Kritik vor allem drei Aspekte (226):
(i) die Digitalisierungskritik, die die Substitution qualitativer Weltbezüge durch technische Operationen und deren Auswirkungen auf die Lebenswelt untersucht,
(ii) die Digitalitätskritik, die – inspiriert von Hans Blumenberg – die scheinbare Selbstverständlichkeit digitaler Wirklichkeit aus phänomenologischer Perspektive infrage stellt, und
(iii) die semiotische Kritik, die die Verschiebung semantischer Ordnungen durch digitale Symbolverarbeitung analysiert (u. a. unter Bezugnahme auf Nelson Goodmans Symboltheorie). Dieses kritische Projekt verlangt sowohl normative als auch analytische Kritikformen. Die Herausforderung besteht hier insbesondere darin, hochabstrakte informatik- und mathematikbezogene Grundlagen im Hinblick auf die Funktionsweisen digitaler Verfahren und Algorithmen zu erschließen, was den Menschen ohne mathematische Grundlagen in der Regel verwehrt ist.

Eine philosophische Kritik des Digitalen steht nicht nur vor methodischen, sondern auch vor hermeneutischen Herausforderungen (227). Das Digitale ist semiotisch strukturiert und Software lässt sich als neue Textform begreifen: als autooperative Schrift, die sich selbsttätig vollzieht. In diesem Sinne kann Software auch hermeneutisch gelesen und interpretiert werden, insbesondere im Hinblick auf Ersetzungsverhältnisse salva veritate – also darauf, wie verschiedene Ausdrücke einander formal korrekt ersetzen können, ohne den Wahrheitswert zu verändern.

In ihrer Schlusspassage formuliert Gramelsberger eine These, die sie als „hermeneutischen Widerspruch“ bezeichnet:
„Der hermeneutische Widerspruch kommt ins Spiel, da wir auf der Anwendungsseite sitzen und in der Regel nicht auf der Produzentenseite der Digitalität. Hinzu kommt die zunehmende kognitive Akteurialität und Autonomie des Digitalen, die uns mehr und mehr Entscheidungen abnimmt. Verstärkt wird die Vereindeutigung sowohl durch den Positivismus erfolgreicher Anwendungen als auch angesichts der zunehmend monopolistisch auftretenden (erfolgreichen) Kommerzialisierung des Digitalen durch einige wenige Plattformen und Dienste globaler Reichweite. Dadurch wird die digitale Wirklichkeit zunehmend weniger kontingent; ein Es-könnte-auch-anders-Sein immer weniger vorstellbar. Gerade deshalb braucht es eine fundamentale, philosophische Kritik des Digitalen in seiner gesamten Komplexität, eine Kritik der ‚High Church of Computationalism‘, wie Daniel Dennett dies vor langer Zeit bezüglich der starken KI genannt hat. Heute geht es jedoch um sehr viel mehr, es geht um nichts weniger als die Vielfalt unserer Lebenswelt und Lebensweisen.“ (228)

Die Spannung zwischen der formalen Eindeutigkeit der Maschinenlogik und der hermeneutischen Offenheit der Bedeutung ist nicht auflösbar, wohl aber gestaltbar im Sinne einer kritischen, aufklärerischen und verantwortungsethischen Philosophie des Digitalen.

Digitaler Humanismus: Verantwortung durch Verstehen

Gerade hier wird der Bezug zum Digitalen Humanismus besonders deutlich: Während sich dieser darum bemüht, technologische Entwicklungen in den Dienst menschlicher Autonomie und Partizipation zu stellen, liefert Gramelsbergers Analyse eine theoretische Fundierung für eine humanistische Orientierung in der digitalen Lebenswelt. Die Kritik der Digitalisierung lässt sich somit vor allem als Reflexion ihrer impliziten Bedingungen, Ambivalenzen und kulturellen Effekte begreifen. Damit leistet sie zugleich einen Beitrag zu einer anthropologisch-phänomenologischen Grundlegung des Digitalen Humanismus.
Nicht nur die Frage, was Menschen mit digitalen Maschinen machen, sondern auch, wie diese die Wirklichkeit heute konstituieren, wird so zur ethischen Frage. Verantwortung beginnt nicht erst im Moment der Anwendung, sondern bereits in den Strukturen maschineller Erkenntnisproduktion, also in den Designentscheidungen und den epistemischen Vorannahmen, die in Algorithmen eingeschrieben sind. Es entsteht eine „Ethik zweiter Ordnung“ – eine Ethik der Bedingungen, die nicht nur Handlungen, sondern auch die Ermöglichungs- und Ausschlusslogiken digitaler Welten beurteilbar macht. Dieser Aspekt wird im Buch leider nur sehr knapp behandelt, was angesichts der Komplexität des Themas durchaus verständlich ist. Den Analysen Gramensbergers liegt dennoch ein impliziter Humanismus zugrunde, der zu einer vertieften ethischen und kritischen Auseinandersetzung animiert.

Verstehen durch Verantwortung: Digitale Aufklärung

Gramelsberger fokussiert das Verstehen der Bedingungen und Strukturen des Digitalen. Die komplementäre Perspektive einer digitalen Aufklärung, die Verantwortung selbst als epistemischen Akt begreift, kommt dabei bei ihr jedoch zu kurz. Denn, nicht nur Verständnis erzeugt Verantwortung – auch Verantwortung eröffnet neue Formen des Verstehens, die epistemische wie praktische Autonomie stärken können.
Wer sich aktiv mit der digitalen Verfasstheit unserer Welt auseinandersetzt, informiert sich nicht nur und versteht nicht nur, sondern erschließt auch Wege, die Lebenswelt – auch mithilfe digitaler und partizipativer Tools – sozial und politisch mitzugestalten (oder, treffender gesagt: zu retten). Bürger:innen treten so aus der passiven Rolle bloßer Nutzer:innen, der rein forschenden Rolle bloßer Wissenschaftler:innen oder der kritisch-reflektierenden Rolle bloßer Philosoph:innen heraus. Digitale Aufklärung bedeutet dann, sich selbst zum Subjekt digitaler Mündigkeit zu machen – durch Bildungsförderung, Selbsthinterfragung, zivilgesellschaftliches Engagement und den Mut, sich mit der Macht – oder, mit Hannah Arendt gesprochen: der Gewalt – der Big-Tech-Konzerne auseinanderzusetzen und sie herauszufordern. Denn dem digitalen (Überwachungs-) Kapitalismus (vgl. Shoshana Zuboff) ist eine Gravitation ins Autoritär-Paternalistische, ja sogar ins Totalitäre inhärent.
So verstanden ist Verantwortung auch in Zeiten enviromental Digitalen kein nachgelagerter moralischer oder humanistischer Reflex, sondern ein zentraler Bestandteil eines emanzipatorischen Erkenntnis- und politischen Gestaltungsprozesses – ganz im Sinne eines Progressiven Digitalen Humanismus.

Empfehlung für digitale Humanist:innen

Das Buch „Philosophie des Digitalen“ von Gabriele Gramelsberger überzeugt durch historische Stimmigkeit, technische Informiertheit, philosophische Tiefe, Originalität und interdisziplinäre Anschlussfähigkeit. Trotz seiner theoretischen Dichte bleibt es sprachlich zugänglich, was heutzutage eher selten ist. Inhaltlich bietet es eine semiotische, erkenntnistheoretische sowie phänomenologisch-anthropologische Grundlegung der Philosophie des Digitalen. Die Verantwortungsperspektive bleibt bei ihr weitgehend implizit – so wie bei allen redlichen Forscher:innen, deren Fokus nicht primär auf dem Normativen liegt. Gerade das jedoch führt dazu, dass diese Perspektive nicht hinreichend reflektiert wird. Und doch vermag die Philosophin mit ihrer fulminanten „Einführung“, dem Digitalen Humanismus neue Reflexions- und Kritikräume zu eröffnen und ist daher allen Humanist:innen zu empfehlen, die Tiefenstrukturen des Digitalen erschließen möchten.

Die Rezension ist auch als zitierfähiges PDF verfügbar.

Irina Spiegel ist Gastdozentin an der Humanistischen Hochschule Berlin. Sie war mehrere Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Praktische Philosophie, Normative und Angewandte Ethik, Digitale Ethik und interdisziplinäre Anthropologie.

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