„Jenseits der Gerechtigkeit“? Für eine humanistische Alternative

 

 

 

 

 

Lian Begett | unsplash

 

„Jenseits der Gerechtigkeit“? Für eine humanistische Alternative.

Ein Kommentar zu den 14 Thesen zur Gerechtigkeit von Franz Schandl

Einleitung

Im Informationsblatt Streifzüge vom 5. Januar 2023 hat der Historiker, Politikwissenschaftler und Publizist Franz Schandl in 14 Paragrafen seine Auffassung zur Gerechtigkeit unter dem Titel „Jenseits der Gerechtigkeit“ dem Publikum mitgeteilt. Das Informationsblatt Streifzüge, das in Wien erscheint, ist ein wertkritisches Diskussionsblatt, das sich aus der Sicht der marxschen ökonomischen Werttheorie kritisch mit der kapitalistischen Gesellschaft auseinandersetzt. Seine Thesen zur Gerechtigkeit wurden in verschiedenen Radiosendern und auch in mehreren Presseerzeugnissen wie Der Freitag abgedruckt und besprochen, so dass diese Thesen eine größere Leserschaft erreicht haben.

In dieser Erwiderung werde ich ausführlicher auf Schandls 14 Thesen zur Gerechtigkeit eingehen und diese kritisch kommentieren. Bei der Interpretation dieser Thesen stütze ich mich auf weitere Texte von Schandl, so dass durch die umfangreichere Textbasis meine Kritik detaillierter begründet und belegt werden kann. Nach meiner Lesart der Texte von Schandl erscheint es mir, dass Schandl, indem er ausnahmslos allgemein wertkritisch gegen alle unterschiedlichen Formen des Zusammenlebens der Menschen in der kapitalistischen Gesellschaft argumentiert, selbst dem Mechanismus des Warenfetischismus sowie des Fetischismus des Warentausches unterliegt. Das zeigt sich m.E. darin, dass er auch die sozialen und politischen Formen des menschlichen Zusam-menlebens, wie z.B. die Demokratie, unter der Form des ökonomischen Tauschs von Werten betrachtet und diese sozialen und politischen Formen des Zusammenlebens auf der Grundlage der Mechanismen der ökonomischen Bestimmung der Wertgrößen zugleich auch quantifiziert und ihnen damit ihrer qualitativen Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen entzieht.

Grundlegend für meine Kritik ist das hier kurz zu skizzierende Verhältnis von ökonomischem Wert und Gebrauchswert der Ware. „Ware“ als unsinnliche gesellschaftliche Form, in der die Arbeitsprodukte in der kapitalistischen Gesellschaft erscheinen, ist Einheit und Widerspruch zweier unterschiedener Momente, nämlich des Wertes einerseits und des Gebrauchswertes andererseits. Das Arbeitsprodukt als Gebrauchswert in der Warenform ist zugleich Wert in einer bestimmten Größe, die sich an der im Arbeitsprozess zur Produktion dieses Arbeitsproduktes verausgabten gesellschaftlich durchschnittlichen Arbeitszeit misst. „Wert“ ist keine freischwebende, selbständige ontologische Entität, die ein eigenständiges Dasein hätte. Der ökonomische Wert in bestimmter Größe hat nur als Gebrauchswert in der Warenform sein Bestehen. Und dieser Gebrauchswert ist sinnlich, wir können ihn anfassen und (be-)greifen.

Der gesamte Aufsatz steht Ihnen als zitierfähiges PDF zum Lesen und Downloaden zur Verfügung.

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